Transportmanagement
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Transportmanagement-Systeme (TMS) steuern die operative Abwicklung von Transporten: Frachtausschreibung, Dispositions-Optimierung, Sendungs-Tracking, Fracht-Abrechnung, Abweichungs-Management. Anders als Supply-Chain-Visibility-Plattformen (die primär Sichtbarkeit liefern) führt ein TMS aktiv Aktionen aus – Frachtaufträge vergeben, Rechnungen prüfen, Mautdaten erfassen.
Kernfunktionen
- Order Management – Empfang von Transportaufträgen, Konsolidierung, Priorisierung
- Tarif-Management – Tarife verschiedener Carrier, Routen, Modi
- Disposition / Planung – Touren-Optimierung (VRP), Lade-Listen, Pre-Loading
- Frachtausschreibung (Spot / Kontrakt) – an eigenen Fuhrpark oder externe Frachtführer
- Track & Trace – Status-Updates, GPS-/Telematik-basierte Sendungs-Verfolgung
- Abrechnung / Freight-Audit – Rechnungs-Prüfung gegen vereinbarte Tarife
- Zoll- und Gefahrgut-Integration – ATLAS, ADR-Dokumente
- Mautabwicklung – Toll Collect, EU-Maut-Systeme
Marktsegmente
- Speditions-TMS – für Logistik-Dienstleister (CarLo, TIS, WinSped, SoloPlan, ALPEGO)
- Verlader-TMS – für Industrie-/Handels-Unternehmen (SAP TM, Oracle TM, MercuryGate, Kuebix, AX4 Logistics)
- Multi-Tenant Platforms – Transporeon, project44 (stärker Visibility)
- Last-Mile-TMS – Bringoo, Locus, FleetUp, urbantz
Standards und Regulatorik
Deutschland/EU: Güterkraftverkehrsgesetz (GüKG), EU-Mobilitäts-Paket (Lenk-/Ruhezeiten VO 561/2006, Smart-Tachograph 2.0 ab August 2023), BFStrMG mit LKW-Maut. International: Incoterms 2020, Zoll-Union mit UCC, ICS2. Für Gefahrgut-Transport: ADR, RID (Schiene), IMDG (See). Digitale Standards: GS1 (EAN, GTIN, SSCC), eCMR für elektronische Frachtbriefe (seit 2023 in Deutschland akzeptiert).
Auswahlkriterien
- Verlader vs. Spediteur – sehr unterschiedliche Anforderungen
- Multi-Modal – Straße, Schiene, Luft, See kombiniert
- Visibility-Provider-Integration – project44, FourKites, Shippeo für externe Frachtführer-Tracking
- Touren-Optimierung – klassisch (Savings-Algorithmus) oder KI-basiert
- Mauterfassung – Toll Collect, Via Toll (Österreich), ViaT
- Fahrer-App – eCMR, Ablade-Bestätigung, Stunden-Rückmeldung
Anbieter (1)
ORSOFT GmbH
Häufige Fragen zu Transportmanagement
Was ist der Unterschied zwischen TMS und Supply-Chain-Visibility?
TMS ist das operative Rückgrat für Frachtabwicklung: Ausschreibung, Disposition, Abrechnung. Supply-Chain-Visibility-Plattformen (project44, FourKites, Shippeo) liefern Echtzeit-Sichtbarkeit über Sendungen unabhängig vom Carrier – durch Integration mit Telematik-Daten, ELD-Daten, Ocean-Carriern, Airlines. Beide ergänzen sich: TMS löst die Transaktion aus, Visibility zeigt, wo die Sendung gerade ist.
Welches TMS für Verlader?
Große Verlader: SAP Transportation Management (stark in SAP-S/4HANA-Landschaften), Oracle Transportation Management, Manhattan Active Transportation Management, MercuryGate, Blue Yonder Luminate TMS. Mittelstand und digital-native: Transporeon, AX4 Logistics, Kuebix, Alpega TMS, Locus NerveCenter, Shippeo. Entscheidungskriterien: Multi-Modalität, Integrations-Tiefe zu ERP/WMS, Frachtausschreibungs-Funktionen, Reporting und Analytics.
Welches TMS für Speditionen?
DACH-Markt: TIS (Transport Information System), CarLo, Cargonerds, WinSped, SoloPlan, ALPEGO, LIS TMS, Komalog, Active Logistics. Verteilung oft nach Geografie und Größe: einige regional stark, andere mit Speziallösungen für Stückgut, Kontraktlogistik, Gefahrgut. Viele Speditionen nutzen zusätzlich Frachtmarkt-Plattformen wie Timocom, TransportMarket für Spot-Frachten-Vermarktung.
Wie funktioniert Touren-Optimierung?
Touren-Optimierungs-Algorithmen lösen das Vehicle Routing Problem (VRP) mit Nebenbedingungen: Kapazität pro Fahrzeug, Zeitfenster am Stopp, Lenk-/Ruhezeiten, Mautkosten, Gefahrgut-Kompatibilität. Klassische Verfahren: Savings-Algorithmus (Clarke & Wright), Sweep, Two-Phase. Moderne: Meta-Heuristiken (Tabu Search, Simulated Annealing, Genetic Algorithms) und zunehmend ML-basierte Ansätze. Kommerzielle Tools: PTV Route Optimiser, GreenPlan, Gurobi Routing, HERE Waypoints Optimization, Google OR-Tools (Open Source).
Was ist Freight Audit?
Freight Audit prüft Carrier-Rechnungen automatisiert gegen vereinbarte Tarife und tatsächlich erbrachte Leistungen: Differenz in Gewicht, Strecke, Wartezeiten, Zuschläge. Typische Einsparungen: 2–5 % des Freight-Spends durch aufgedeckte Unstimmigkeiten. Anbieter: nVision Global, TMSfirst, Cass Information Systems, enVista, Shipsta. Oft in TMS integriert oder als separate Service-Lösung.
Wie wird eCMR in Deutschland eingesetzt?
Deutschland hat das Zusatzprotokoll zum CMR-Abkommen 2022 ratifiziert – seitdem sind elektronische Frachtbriefe (eCMR) offiziell zulässig. Voraussetzung: Einvernehmen aller Beteiligten (Absender, Frachtführer, Empfänger). Vorteile: digitale Unterschrift, Fotos bei Übernahme/Abgabe, Echtzeit-Status. Umsetzung in Apps: Transporeon eCMR, project44, CargoSteps, eCMR.de, Pamyra. In der Praxis noch nicht flächendeckend – viele Empfänger bestehen weiter auf Papier.