Versicherungen
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Software für Versicherungsunternehmen bildet die gesamte Kette von Policen-Management über Bestandsführung, Schadens-Management bis zu Rückversicherung, Vertrieb und Kundenservice ab. Deutsche Versicherer stehen unter BaFin-Aufsicht nach VAG (Versicherungsaufsichtsgesetz) mit strengen regulatorischen Anforderungen: Solvency II, IDD (Insurance Distribution Directive), DORA seit 17.01.2025, VAIT (Versicherungsaufsichtliche Anforderungen an die IT).
Software-Landkarte
- Bestandsführung (Policy Administration System, PAS) – Kernsystem für Verträge, Prämien, Leistungen (msg life, Adcubum Syrius, Guidewire PolicyCenter, Duck Creek Policy, OneShield)
- Schaden-Management – Anlage, Regulierung, Zahlung, Betrugs-Detection (Guidewire ClaimCenter, Duck Creek Claims, FRISS, SAS Fraud)
- Vertriebs- und Vermittler-Portal – CRM, Angebots-Tools, Provisions-Abrechnung
- Versicherungsmathematik / Aktuar – Reserve-Bildung, Preis-Modelle, Stochastik (Prophet, MoSes, Milliman PolySystems)
- Rechnungswesen nach HGB / IFRS 17 – seit 1.1.2023 IFRS 17 verpflichtend für kapitalmarktorientierte Versicherer
- Datenanalytics & KI – Pricing, Anti-Fraud, Telematik-Tarife, Dynamic Underwriting
- Compliance & Reporting – BaFin-Reportings (QRT, RSR, SFCR), MaGo, VAIT
Regulatorischer Rahmen
Solvency II (Richtlinie 2009/138/EG) verlangt dreistufiges Aufsichts-Regime: Säule 1 (quantitative Anforderungen, SCR/MCR), Säule 2 (Governance, ORSA), Säule 3 (Berichtspflichten). Die Distribution folgt der IDD mit Beratungs- und Produktfreigabe-Pflichten. Seit 17.01.2025 gilt DORA europaweit: ICT-Risikomanagement, Vorfall-Meldung, Resilienz-Tests. VAIT konkretisiert IT-Anforderungen analog zu BAIT in Banken. Das HinSchG verpflichtet zu Hinweisgeber-Systemen.
Auswahlkriterien
- Sparte – Leben, KV, SV-Komposit, Industrie – haben sehr unterschiedliche Anforderungen
- Altsystem-Ablösung – viele deutsche Versicherer betreiben noch Mainframe-basierte Kernsysteme
- Solvency II / IFRS 17-konforme Datenhaltung
- Digitale Kundenprozesse – Online-Antrag, Chatbot, Claim-Self-Service
- Datenaustausch – GDV-Datenschnitt, BiPRO, VVG-SEPA-Mandat
- Migrations-Strategien – Legacy-Ablösung ist Jahrzehnt-Projekt (Greenfield vs. Brownfield)
Anbieter (8)
plenum AG
akquinet AG
Finanz Informatik Technologie Service GmbH & Co. KG
mgm consulting partners GmbH
Information Services Group Germany GmbH
SMP AG
FUJITSU TDS GMBH
best-blu consulting with energy GmbH
Häufige Fragen zu Versicherungen
Was ist Solvency II und wie betrifft es die IT?
Solvency II (seit 1.1.2016) ist das europäische Aufsichtsrecht für Versicherungen. Die drei Säulen fordern datenintensive Berichte: quantitative Reports (QRT) quartalsweise, ORSA-Prozess (Own Risk and Solvency Assessment), jährlicher SFCR (Solvency and Financial Condition Report, öffentlich) und RSR (Regular Supervisory Report, intern). Software muss Daten aus Policen, Schäden, Kapitalanlagen zeitnah und revisionssicher liefern – typischerweise über Data-Warehouse-Lösungen mit regulatorischer Report-Ebene.
Was bringt IFRS 17 für Versicherer?
IFRS 17 ist seit 1. Januar 2023 verpflichtend für kapitalmarktorientierte Versicherer und ersetzt IFRS 4. Kern: einheitliche Bilanzierung von Versicherungsverträgen über alle Sparten durch den Current Value Approach – inkl. Risikoanpassung (Risk Adjustment), Contractual Service Margin (CSM) und Discounting. Konsequenz für IT: tiefgreifend erweiterte Datenhaltung, aktuarielle Berechnungen pro Vertrag/Gruppe, neue Reporting-Ebene. Implementierungen haben vielen Versicherern 30–100 Mio. € gekostet.
Welche Kernsysteme werden bei deutschen Versicherern eingesetzt?
Traditionell dominieren proprietäre Altsysteme (selbst entwickelte Cobol-/PL/I-Systeme aus den 1980er/90er). Moderne Systeme, die migrierende Versicherer einsetzen: Guidewire InsuranceSuite (PolicyCenter, ClaimCenter, BillingCenter), Duck Creek, msg life (stark in Lebensversicherung DACH), Adcubum Syrius (SV-Komposit Schweiz/Deutschland), OneShield, Fineos (Lebens-/Kranken), Majesco. Cloud-native Startups: FRISS, Instanda, Akur8 (Pricing).
Was ist BiPRO und wofür wird es genutzt?
BiPRO e. V. (Brancheninstitut für Prozessoptimierung) standardisiert Schnittstellen zwischen Versicherern und Vermittlern/Maklerpools. Kern-Services: Tarifrechner-Aufruf, Antrag-Einreichung, Vertrags-Übermittlung (GDV-Datenformat), Provisions-Abrechnung, Schaden-Management. Über 200 Unternehmen nutzen BiPRO-Normen (z. B. 430.x für Tarifrechner, 430.4 für Antrag, 430.5 für Bestand). Für Maklerverwaltungs-Programme (MVP) wie Lutronik, xpc, JCC, inforMATRIX ist BiPRO-Konformität Pflicht-Feature.
Wie funktioniert moderne Schadenbearbeitung?
Moderne Schadenbearbeitung automatisiert zunehmend Teile des Prozesses: Schaden-Anlage per App oder Chatbot, automatische Foto-Analyse bei KFZ-Blechschäden (Tractable, Snapsheet), Betrugs-Detection per ML (FRISS, Shift Technology), automatische Zahlung kleiner Schäden bei Klarheit der Sachlage (Fast-Track-Claims). Ergebnis: First-Contact-Resolution-Quoten von 40–60 % und Prozess-Kosten-Ersparnisse von 20–40 % gegenüber klassischen Workflow-Systemen.
Wie wird Versicherungs-Software getestet?
Versicherungs-Kernsysteme werden aufgrund regulatorischer Implikationen extrem streng getestet: End-to-End-Szenarien aus Antrag, Police, Prämie, Schadensfall, Bestandsführung, Storno, Renten-Anpassung – über Jahrzehnte simuliert. Tools: Tricentis Tosca, Worksoft Certify, Eggplant. Parallel: aktuarielle Reviews, BaFin-konforme Ordnungsmäßigkeits-Nachweise, Penetration-Tests, Cloud-Auditierung. Große Versicherer betreiben eigene Regressions-Testbetten mit tausenden Szenarien pro Release.