Öffentlicher Dienst
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Software für den öffentlichen Dienst in Deutschland unterliegt einem der komplexesten Regulierungs-Geflechte: Onlinezugangsgesetz (OZG) mit Verwaltungsdigitalisierung bis 2022/OZG 2.0, BSI-Grundschutz und TR-Resiscan, eIDAS-Verordnung und VS-Einstufungen bei sicherheitsrelevanten Bereichen. Föderale Verteilung der Zuständigkeiten (Bund, Länder, Kommunen) macht die Software-Landschaft besonders heterogen.
Typische Software-Kategorien
- E-Akte – revisionssichere elektronische Aktenführung nach BHO §2, GGO, RegR
- Fachverfahren – branchenspezifische Applikationen (Gewerbeamt, Meldewesen, Bauamt, Kasse, Personalverwaltung)
- DMS / VBS (Vorgangsbearbeitungs-System) – Schriftgut-Lenkung mit Laufmappe und Zeichnungswegen
- OZG-Portallösungen – Online-Dienste nach FIT-Standards, EfA (Einer für Alle)
- Haushalts- und Kassensysteme – Doppik-Fähigkeit, DATEV-vergleichbare Standards (FAMOS, IHV)
- Geo-Informations-Systeme (GIS) – Bebauung, Kataster, Infrastruktur
- Personalverwaltung & Bezüge – loga, KIDICAP, SAP HCM Public Sector, dbh-HR
OZG und EfA-Prinzip
Das Onlinezugangsgesetz verpflichtet Bund, Länder und Kommunen zur digitalen Bereitstellung von Verwaltungsleistungen. Das Ziel, alle 575 OZG-Leistungen bis Ende 2022 online zu bringen, wurde nicht erreicht; das OZG 2.0 (verabschiedet 2024) setzt auf Verbesserung der Nutzerfreundlichkeit, deutsche BundID und das Prinzip EfA (Einer für Alle): ein Bundesland entwickelt eine Leistung zentral, andere übernehmen. Architektur-Prinzip: FIT-Connect als bundesweite Routing-Infrastruktur.
Auswahlkriterien
- BSI IT-Grundschutz-Konformität – Mindest-Basis, bei KRITIS-Kommunen Standard-Modul
- TR-Resiscan – technische Richtlinie für rechtssicheres ersetzendes Scannen
- Barrierefreiheit nach BITV 2.0 – EN 301 549, WCAG 2.1 Stufe AA
- BundID- und Servicekonten-Integration
- Datenhaltung in Deutschland oder EU – Souveränität, Datenschutz-Zertifikate (C5, ISO 27001)
- X-Standards – XPersonenstand, XBau, XMeld, XÖV für Datenaustausch
Anbieter (7)
regio iT gesellschaft für informationstechnologie mbh
items GmbH
Axians IT Solutions GmbH
DU-IT Gesellschaft für Informationstechnologie Duisburg mbH
FUJITSU TDS GMBH
GISA GmbH
IT-Komplettdienstleister, Plattformintegrator und Cloud Service Provider
best-blu consulting with energy GmbH
Angebote (1)
TRANSCONNECT®
Mit der Low-Code Integrationsplattform TRANSCONNECT® verbinden Sie die Schnittstellen Ihrer Anwendungen und bilden Ihre Geschäftsprozesse über System, Standort- und Unternehmensgrenzen hinweg ab — tra
Häufige Fragen zu Öffentlicher Dienst
Was ist das OZG und was regelt es?
Das Onlinezugangsgesetz (OZG), 2017 beschlossen, verpflichtet Bund, Länder und Kommunen, Verwaltungsleistungen auch digital über Verwaltungsportale anzubieten. Das OZG 2.0 (2024) konkretisiert: zentrale BundID als einheitliches Nutzerkonto, verbindliches EfA-Prinzip, Verzicht auf Schriftform wo rechtlich möglich. Für Software-Hersteller: Anbindung an FIT-Connect, Konformität mit X-Standards, OZG-Themenfeld-spezifische Standard-Schnittstellen.
Welche E-Akte-Systeme sind in Behörden verbreitet?
Führende Systeme: Fabasoft eGov-Suite (Bund, Länder, Städte), VIS-Suite (PDV-Systeme, besonders Bund), enaio (OPTIMAL SYSTEMS, Landes- und Kommunalverwaltungen), d.3ecm (d.velop, Kommunen), ELO ECM, OpenText Extended ECM. Die E-Akte Bund nutzt derzeit VIS-Suite. Entscheidungskriterien: BSI-Zertifizierung, TR-Resiscan-Konformität, VBS-Funktionalität, X-Standards-Unterstützung.
Was ist TR-Resiscan?
Die Technische Richtlinie TR-Resiscan (BSI TR-03138) regelt rechtssicheres ersetzendes Scannen: ein digitalisiertes Dokument kann das Papier-Original ersetzen, wenn der Scan-Prozess nachweisbar integer war. Anforderungen: Verfahrens-Dokumentation, Mehr-Augen-Prinzip, Nachvollziehbarkeit, technische Integrität, ggf. qualifizierte elektronische Signatur. Umsetzung bei OZG-Projekten Standard, um Akten vollständig digital zu führen.
Was ist BundID und wie wird sie integriert?
Die BundID (seit 2019, Pflicht für OZG 2.0) ist das zentrale Nutzerkonto für Bürger-Verwaltungskommunikation mit eID (Personalausweis/eID-Funktion), ELSTER-Zertifikat oder Benutzername/Passwort. Integration erfolgt über OpenID Connect / SAML. Behördenportale und Fachverfahren authentifizieren Nutzer gegen die BundID. Parallel existieren Servicekonten der Länder (z. B. servicekonto.nrw) mit Föderations-Möglichkeit.
Was heißt BITV 2.0 und wer ist betroffen?
Die Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung (BITV 2.0) setzt EU-Richtlinie 2016/2102 um und verpflichtet alle öffentlichen Stellen zur barrierefreien Gestaltung ihrer Websites, Apps, Intranets und Dokumente nach WCAG 2.1 Stufe AA / EN 301 549. Seit 28. Juni 2025 erweitert das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) die Pflicht auf die Privatwirtschaft für bestimmte Produkte und Dienstleistungen (Banking-Apps, E-Commerce ab bestimmter Größe, Telekommunikations-Dienste).
Welche X-Standards müssen unterstützt werden?
XÖV-Standards strukturieren den XML-basierten Datenaustausch in der öffentlichen Verwaltung: XMeld (Meldewesen), XPersonenstand (Standesamt), XBau (Bauantragsverfahren), XRechnung (E-Rechnung, Pflicht für Bund seit 2020), XJustiz (Justiz-Verfahren), XKfz (Kfz-Zulassung), XGewerbe. Welche Standards relevant sind, hängt vom Fach-Bereich ab. Software-Anbieter im öffentlichen Dienst haben XÖV-Konformität meist als Standard-Feature.